Harald Grosskopf

SYNTHESIST (40th Anniversary Edition) (VÖ 05.06.2020)

Harald Grosskopf war Anfang zwanzig, als ihm LSD „die Realität weghaute“, wie er sich erinnert. Zu diesem Zeitpunkt war er noch Schlagzeuger bei Wallenstein. Deren Labelchef Rolf-Ulrich Kaiser ließ Musiker seiner Label Ohr und Pilz gern Jam-Sessions unter dem Namen „Kosmische Kuriere“ abhalten und verabreichte dabei (manchmal sogar ohne das Wissen der Beteiligten) häufig LSD. Als Grosskopf einmal bei so einer Session dabei war, verhalf ihm die Droge zu neuen Erkenntnissen: „Ich saß da, spielte berauscht Schlagzeug und merkte, dass ich bis dahin vor allem andere Drummer imitiert hatte. Von da an habe ich zum ersten Mal befreit getrommelt, also ohne dabei in einer Rolle glänzen zu wollen.“ So fand Harald Grosskopf seine individuelle musikalische Sprache. Und die konnte er nicht mehr in einer klassischen Rockformation zum Ausdruck bringen. Grosskopf: „Die elektronische Musik hatte mich total berauscht. Das vollkommen Freie darin. Ich musste diese Musik machen, und ich wusste, das wird erfolgreich, weil es so eine Energie hatte.“ 

Grosskopf stieg dann konsequenterweise bei Wallenstein aus. „Ich fiel erst mal in ein Loch und fragte mich, was ich nun machen soll. Also verkaufte ich mein Schlagzeug und besorgte mir von dem Geld eine Gitarre mit Verstärker und Echo-Gerät.“ Ein paar Tage später klingelte es bei ihm. Vor der Tür stand Manuel Göttsching. Den kannte er aus der Berliner Elektronikszene und von Aufnahme­sessions für Ash Ra Tempel und andere Projekte. Göttsching bot Grosskopf an, bei seinem neuen Projekt Ashra einzusteigen. Der Rest ist Geschichte: Ashra (Grosskopf, Göttsching, Lutz Ulbrich) veröffentlichten in den folgenden Jahren mehrere erfolgreiche Alben. Es dauerte allerdings bis zum Sommer 1979, bis er sich an ein eigenes Album wagte. „Synthesist“ bietet acht instrumentale Kompositionen, die Grosskopf überwiegend allein einspielte. Die von Synthesizern und Schlagzeug getragenen Melodien, die er dafür produzierte, erinnern an die Arbeiten seiner Berliner Elektronikfreun­de wie etwa Klaus Schulze oder Tangerine Dream und auch an die „kosmischen“ Sessions der frühen siebziger Jahre – haben aber doch eine individuelle Klangfarbe. Auch deshalb gilt „Synthesist“ weltweit unter den Liebhabern elektronischer Musik längst als Klassiker, der an eine aufregende musikalische Ära erinnert und auch in diesem Jahrtausend noch aufregend.