Gary Olson (VÖ: 25.05.2020)

Dieses Album ist eine Geschichte aus zwei Städten, oder besser: aus zwei Studios. Eines steht in Hayland, Norwegen, das andere in Flatbush, Brooklyn. Und es ist die Geschichte zweier Brüder mit einer Idee: Ein Album mit dem Indie-Rock-Wizard Gary Olson zu produzieren. So bildet dieses Album nun eine Verbindung zwischen den beiden Locations. Gary Olson kennen wir als Sänger, Songwriter und Trompeter der Band Ladybug Transistor, die bereits fünf Alben bei Merge Records veröffentlicht hat, sowie als Produzenten und Tontechniker in den Marlborough Farms Studio tief im Herzen von Brooklyn, im Viertel Flatbush. Und dann gibt es da, in einer ländlichen Gegend unweit von Oslo, den Norweger Ole Johannes Åleskjær mit seinem Studio Tune-J, der, wenn er nicht gerade mit der Produktion wunderbarer Schallplatten beschäftigt ist, als Holzfäller in den Wäldern arbeitet. Er und sein Bruder Jorn Åleskjær sind Gary und Ladybug Transistor vor vielen Jahren auf einer Tournee mit ihrer Band Loch Ness Mouse mehrfach über den Weg gelaufen. Bei einer dieser zufälligen Begegnungen schlug Ole eine Zusammenarbeit zwischen ihm, seinem Bruder Jorn und Gary vor. Die Aufnahmen sollten in Norwegen und Brooklyn stattfinden. Im Lauf der folgenden acht Jahre besuchte Gary immer wieder die Idylle nahe der schwedischen Grenze mit dem Scheunenstudio der Åleskjær-Brüder, um dort die Basis-Tracks für die Stücke, die die drei geschrieben hatten, aufzunehmen. Damit ging er dann zurück ins kosmopolitische Treiben von Brooklyn, in sein eigenes Studio, um dort Gesangsstimmen, Bläser und Streicher hinzuzufügen. Zum Schluss wanderte das Ganze wieder nach Norwegen, wo Ole als Produzent den Stücken ihre endgültige Gestalt gab. Ende 2019 war es dann soweit. Die insgesamt elf Songs hatten sich auf ganz organische Weise zu einem Album zusammengefügt.

Neben Ole (Produzent und Gitarrist) und Gary (Gesang und Trompete) waren Håvard Krogedal (Bass, Cello) und Emil Nikolaisen (Schlagzeug) von Serena-Maneesh mit am Start, dazu Joe McGinty (Streicher-Arrangements, Piano und Orgel) von The Psychedelic Furs und Ryan Adams sowie Suzanne Nienaber (Background-Gesang) von den Pale Lights. Auch, wenn die Grundidee zu diesem Projekt sehr einfache Aufnahmen waren, so können die Fans von Ladybug Transistor sich auf Garys typische, jubilierende Trompete, üppige Streicher und großartigen, melodiösen Pop freuen, vertraute Ladybug-Transistor-Elemente die auch auf diesem Album präsent sind. Die Melodien sind zart und bleiben dennoch haften, und die federleichte Produktion verleiht dem Ganzen einen Glanz, der an die besten Zeiten des Siebzigerjahre-Radios und des Achtzigerjahre-Indie-Pop erinnert.

Passend dazu zeigt das Cover Gary auf einem stillgelegten Flugfeld in New York, dem Floyd Bennet Field, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Eine träumerische, überwältigende Weite umweht die alte, in den 1920er Jahren gebaute Startbahn. Viele der Originalgebäude sind noch erhalten. Die Geister der ehemaligen Piloten sind allgegenwärtig. Von hier startete der Flugpionier Thor Solberg im Jahr 1935 zum ersten geglückten Flug von den USA nach Norwegen - und so spannt sich ein Bogen, der mit diesem Album seine Fortsetzung findet. Auf die Frage, wie man das Album seiner Meinung nach hören sollte, gibt Gary Olson folgende Antwort: „Ich würde vorschlagen, es in einem fahrenden Zug zu hören, das Gesicht zum Fenster gewandt. Mach die Augen zu und spüre, wie die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen hindurch fallen. Dann öffne allmählich die Augen und stelle fest, dass du deine Haltestelle verpasst hast. Fang nochmal von vorne an.“

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