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Credit: Maxe Probst

Live

31.1.2019

Hamburg - Uebel & Gefährlich

09.3.2019

München - Milla Club

(w/ Zimt)


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Station17

Booker: Marcel Gein

"Blick" (VÖ: 09. März 2018, Bureau B)

 

"Die Dinge starren mich an, mich starren die Dinge an"

Man stellt sich ein Miami-Vice-Remake in der Hansestadt Hamburg vor, Großstadtgetümmel, blitzende Autos, Leuchtreklamen summen. Der Helge-Schneider-artige Protagonist sitzt in seinem weißen Maserati-Cabrio und lässt die Reifen schreien. Aus dem Radio spielt der geschmeidig treibende Sound von Station17 und wir cruisen los – ins neue Album "Blick", veröffentlicht beim Hamburger Elektro-Label Bureau B.


Nachdem die Band mit dem Vorgänger "Alles für alle" ihr erstes klassisches Pop-Album veröffentlichte, folgt mit "Blick" die dreifache Rolle rückwärts. Dies kann niemanden überraschen, der dem Schaffen der Band, die von MusikerInnen mit und ohne Behinderungen gegründet wurde, seit nunmehr knapp 30 Jahren verfolgt. So gehört das Experiment seit jeher zum Extrakt der Band, der musikalische Grenzgang gehört zum Konzept. Um für die Aufnahmen von "Blick" den Staub der Stadt und der modernen Welt abzuschütteln, entschieden sich Station17, für drei Wochen ins Watt'n Sound-Studio an der Nordsee zu emeritieren. In der sommerlichen Abgeschiedenheit des Küstenidylls befreite die Band ihren Sound aus dem Pop-Korsett der letzten Platte, um sich ganz der freien Improvisation hinzugeben.


Die Musik sollte gegenwärtig sein, nur im Augenblick existieren. Keine festgelegten Strukturen, keine vorher getexteten Lyrics – nicht einmal eine Grundtonart wurde vorgegeben. Durch diese radikale, schöpferische Freiheit entstand mit "Blick" ein Werk, das mit einem Ende an die ganz großen Krautrocker wie Popol Vuh andocken kann und auf der anderen Seite in Teilen an eine entspannte, wärmere und gesangreduzierte Version von "Die Entstehung der Nacht" der Goldenen Zitronen erinnert.


Der Vergleich zu den Granden der experimentellen, improvisationslastigen Elektro-Krautmusik liegt nahe, befinden sich im illustren Kreis der Kollaborateure auf diesem Album Andreas Dorau, Jean-Hervé Péron und Zappi Diermaier von faUSt, Andreas Spechtl (Ja, Panik!), Pyrolator, Grosskopf Kranemann, Datashock, Günter Schickert und eben auch Ulrich Schnauss, mittlerweile Mitglied der deutschen Elektronikgruppe Tangerine Dream. In deren Tradition dokumentiert die Musik von "Blick" den reinen, unmittelbareren und unverfälschten Austausch zwischen den MusikerInnen von Station17. Das Spektrum dieses "Dialogs" wird durch die musikalischen Gäste erweitert – tontechnisch festgehalten von Dirk Dresselhaus alias Schneider TM.


Wer sich einmal der positiven Magie der neun Tracks auf "Blick" ausgesetzt hat, wird unausweichlich feststellen, welch starke, aufrichtige Kräfte in der Musik von Station17 schlummern. Sie machen das Beste mit dem Hörer, was Musik überhaupt zu tun vermag – ein bisschen glücklicher.


Julian Bätz