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Schneider TM

Booker: Jonas Förster

 

Teil zwei der „Sounds“-Serie: Erkundungen der elektrischen Gitarre


Auf seinem vorigen Album „Construction Sounds“ hat Dirk Dresselhaus a.k.a. Schneider TM aus Baustellenlärm Musik gemacht. Auf „Guitar Sounds“ lotet er aus, was man alles mit einer elektrischen Gitarre und vielen Effektgeräten anstellen kann. Dabei ist die Gitarre für Dresselhaus kein unvertrautes Instrument. Er spielte sie bereits in den 90ern als Teil experimenteller Indie-Bands (s. u.) und hat über seine Arbeit als Schneider TM mit elektronischer Musik, Film und Hörspielmusik und diversen Soundprojekten über die letzten 20 Jahre einen eigenen, befreiten Ansatz des Gitarrespielens gefunden.

 

Auf „Guitar Sounds“ geht es nicht um technische Perfektion. Es geht um Spontaneität, um Improvisation – wobei das Ergebnis durchaus im klassischen Sinn fehlerhaft sein darf. Dresselhaus interessiert sich für die Atmosphäre, Intensität und Magie des ersten Moments, in dem etwas entschieden und gespielt wird, ohne zu wissen, wohin der Weg führt und wo er endet – Musik ohne Sicherheitsnetz, sozusagen. Der Gitarrenklang kann sich dabei gelegentlich verselbstständigen, ein Eigenleben führen und so etwas wie generative Musik werden. Im entscheidenden Moment holt Dresselhaus ihn dann wie einen Hund an der langen Leine zurück. Dabei erzeugt er ein Energiefeld zwischen Spannung und Entspannung, Harmonie und Disharmonie, Kontrolle und Kontrollverlust, Konstruktion und Dekonstruktion, Positiv und Negativ, Ernsthaftigkeit und Humor. Oder plakativer gesagt: einen Surf-Sound des Dualismus.

 

Alle Tracks sind improvisiert („Instant Composition“) und nicht im Vorfeld komponiert worden. Einige Stücke sind von Filmen inspiriert oder zum Film impovisiert worden (z. B. „Teilhard“ von Christoph Ischinger). Der Basic- Track von „Überzahl“ wurde wie auch ein Teil von „Landslide“ für den Film „In der Überzahl“ von Carsten Ludwig benutzt und für dieses Album mit Overdubs vervollständigt. Equipment: diverse E-Gitarren und -Bässe, Lap-Steel-Gitarre, Reisegitarre, Line- und Combo-Röhrenverstärker, Reverbs, Echos, Delays, Looper, Octaver, Pitch-Shifter, Isolatoren, Filter, Cello-Bogen und Bottleneck.

 

 

Über Dirk Dresselhaus: 

Dirk Dresselhaus, Jahrgang 1970, spielte und sang von 1989 bis 1997 in Indie-/Noiserock- und Pop-Bands wie Locust Fudge und Hip Young Things. 1997 begann er sich unter dem Pseudonym Schneider TM mehr mit elektronischer Musik zu beschäftigen. Neben anderen Arbeiten wie Komposition und Produktion von Musik für Filme (1. Mai, 66/67, Polnische Ostern etc.), Theater (The Scorpionfish, Louis & Bebe mit Joanna Dudly) und Hörspiele (Release, Hochhaus mit Paul Plamper) spielt Dresselhaus seit einigen Jahren regelmäßig in Noise-Improv-Bands/Projekten wie Angel (zusammen mit Ilpo Väisänen von Pan sonic), Mr. Schmuck’s Farm (mit der isländischen Cellistin Hildur Gudnadottir von Lost In Hildurness / Mum etc.) und Real Time, einem eher an Neuer Musik orientierten Duo zusammen mit Reinhold Friedl von Zeitkratzer. Daneben spielt er seit einiger Zeit regelmäßig Improvisationskonzerte mit wechselndem Equipment wie Gitarre, Elektronik, Balaphon oder mit Fieldrecordings, manchmal solo und manchmal mit Jochen Arbeit (Einstürzende Neubauten, Die Haut), Damo Suzuki (Ex-Can), der japanischen Tänzerin Tomoko Nakasato und anderen.