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Richard von der Schulenburg

Booker: Daniel Jahn

MOODS AND DANCES 2021 (Release: January 29th 2021)

Der Hamburger Musiker und DJ RVDS schließt sich mit dem meditativen, ohrenschmeichelnden Klangkunstwerk „Moods and Dances 2021“, einem musikalischen Geschenk aus einer Zeit, in der die Zukunft Vergangenheit sein wird, dem Label Bureau B an.
Inspiriert von der sphärischen Exotik und den fantasievollen Elektroniksounds der Library Music, beschwört Richard von der Schulenburg Palmen, Pyramiden, Promenaden und Portale herauf, die vom Zentrum eines Holodecks aus beobachtet werden. Die Stücke nehmen uns mit auf eine Reise durch den wilden Geräte-Dschungel in Richards Privatstudio und lassen sich als Hommage an die Klang-Schattierungen in seiner Sammlung verstehen.
Ob mit geschmolzener 303 auf dem Gipfel des Mount Acid, ob improvisierter Jazz auf den Fendertasten oder live mit Bühnen-Pathos, Richards Musik ist in jedem Fall eine eindringliche, allumfassende Erfahrung. Gut möglich jedoch, dass diese Erfahrung noch nie unmittelbarer war als auf seinem neuesten Werk.
Wir werden an die digitalen Ufer von „Mrs Yamaha’s Summer Tune“ gespült, wo Salzwasser glitzert, wo polierte Trommelstöcke glänzen und unaufdringliche Percussion erklingen. Die „Caravan of the Pentamatics“ führt uns zwischen Bäumen hindurch ins Landesinnere und schneidet eine Seidenstraße durch äthiopische Jazztöne und verschlungene Rhythmen, bis sie auf die geheimnisvolle Präsenz der Farfisa Sphinx trifft. Über einem sphärischen Bass schweben kryptische Melodien, ungreifbar und unwiderstehlich, so lange, bis sie von einem Sandsturm verschluckt werden. Das sanfte, jazzige „Roland’s Night Walk“ gönnt uns ein wenig Erholung von den Gottheiten der Wüste, auch wenn Schüsse in der Ferne und das unentwegte Zirpen der Zikaden der spröden Majestät des sanften Tastenspiels zusätzliche Spannung verleihen. Die Morgendämmerung bringt Kummer, vermittelt durch mit Tau benetzte Melodien und leidvollen Tönen aus Richards DX7, und doch ... irgendwo wird getanzt, zu dem treibenden Bass, dem gespenstischen Gesang und den arabesken Sounds von „The Space Pentas“, einem kosmischen, sich unentwegt steigernden Boogie. Durstig von den Derwischtänzen, ist es nur folgerichtig, wenn wir uns in der „Wersimatic Space Bar“, einer Bar vollgestopft mit allerhand Exoticas, ein paar Drinks genehmigen. Im vorletzten Stück feiert der Boogie seine Rückkehr als derangiertes, dementes und diabolisches Chaos direkt vom „Planet Dragon“, übersetzt in einem Wettkampf der Soundeffekte. Abschied bringt immer, egal auf welchem Planeten, einen süßen Schmerz mit sich, der in „The End (Lala)“ unter Mithilfe von Raumsirenen, schlaftrunkenen Bässen und anfallartigem Rauschen in getragenem Tempo wundervoll eingefangen wird.
Ganz sicher hatten Library Music sowie die verwendeten Geräte einen erheblichen Einfluss auf dieses Album, und dennoch transportiert dieser faszinierende, intergalaktische Trip weitaus mehr Leidenschaft als jedes Potpourri. Er ist spielerisch, poetisch und enigmatisch zugleich, also in jedem Fall ein waschechter RVDS.
- Patrick Ryder