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Family*5

Booker: Carsten Friedrichs

"Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Family 5 eine der wichtigsten deutschen Bands aller Zeiten sind. (...) Wenn nicht vor ein paar Wochen etwas doppelt Unwahrscheinliches passiert wäre, als ankündigungslos der Blitz einschlug: Nach zwölf Jahren Funkstille haben Family 5 erstens ein neues Album aufgenommen, das zweitens so gut ist, dass man sich fragt, wie das überhaupt gehen kann..." SPEX

 

 

Das erste reguläre Album der Punk-Soul-Granden seit 12 Jahren!

„Was zählt“ ist einfach das beste Family*5-Album seit „Resistance“! Meint nicht nur die Band, der Produzent, die Plattenfirma, der Freund und die Bekannte, sondern auch die Konkurrenz.

Produziert von Ekki Maas („Erdmöbel“)

 

Family*5 – „Was zählt“ (VÖ: Juli 2016)

„Family*5 sind zurück, und keine andere Band versteht es, so elegant und unpeinlich den Finger an den Puls der Zeit zu legen wie die Gruppe um Xaõ Seffcheque und Peter Hein.“ (triggerfish.de)

„Unser Roman begann am Tresen, die Verstärker stehen auf Elf, als wär’s gestern erst gewesen, doch es war nur ein Behelf.“ („Walverwandt“) Denn alles fing mit einem Witz an, den Sänger und Texter Peter Hein, damals gerade frisch bei den Fehlfarben ausgestiegen, und Xaõ Seffcheque, Musikerautorenregisseursjournalistendeejay, endlich mal gemeinsam machen wollten. Und den sie per ironischer Formel „Bring deinen Körper auf die Party“ als speedgefütterte Punkratte über funky Griffbretter jagen ließen.

Nur, wie das mit Witzen eben so ist, irgendjemand versteht ihn nicht, und der Erzähler lässt sich darauf ein, ihn erklären zu wollen: Der Witz verselbständigt sich und bekommt peu à peu einen immer seriöseren Background mit zunehmendem Sozial- und Politrelevanzfaktor bei gleichzeitig abnehmender Humorlage.
Auf ähnliche Weise kam es zum Österreichischen Erbfolgekrieg, so entstanden „Le Nozze di Figaro“, das Solinger Brauhaus und die Citroën DS. Und eben Family*5 als „richtige“ Band.

Nach ersten Testfahrten in Gestalt mehrerer Singles und Mini-LPs veröffentlichen „Eff Fünf“ 1985 ihr erstes Album „Resistance“, das nicht wenige Kritiker für die nach wie vor gelungenste deutschsprachige LP der erste Hälfte der 80er halten. Danach kamen, abgesehen von etlichen Singles, Mini-Alben und Best-of-Samplern, (nur) noch vier Longplayer. Die wurden zwar allesamt mit Lob überhäuft, dennoch schien nach „Wege zum Ruhm“ 2004 die Familiengruft der „Tanzkampfkapelle Family*5“ (Wiglaf Droste) endgültig geschlossen.

Bis 2015 ein Telefonat alles veränderte: Die Tapezierer des deutschsprachigen Pop hatten bei Xaõ angerufen, der just zu diesem Zeitpunkt mit Peter Hein zur Sommerfrische in Italien weilte. Die Frage, ob man sich ein neues Album vorstellen könne, wurde nach kurzer Rücksprache mit den anderen Bandmusikern („Roaming sehen und sterben...“) bejaht. Gleichzeitig wurde auch die Vorstellungskraft bei Tapete arg strapaziert, denn dort musste man sich ein Album herbei phantasieren, das noch niemand gehört hatte. Keine Demos, keine Backings, die Handy-Recordings aus dem Proberaum klangen wie durch einen langhubigen Spargeltopf über eine Gegensprechanlage abgespult.
Sind das überhaupt „Songs“? Hat der Begriff nicht irgendwas, zumindest entfernt mit „singen“ zu tun? Ist das nicht vielleicht doch ein 1.200-teiliges akustisches Puzzle einer vollgepissten schlammfarbenen Cordhose? Vor allem: Ist es heilbar?

Tapete setzte – mangels Alternativen – auf die Karte „Kontrolle entfällt, Vertrauen lautet die Währung“.
Und tat damit das einzig Richtige. Denn „Was zählt“ ist einfach das beste Family*5-Album seit „Resistance“! Meint nicht nur die Band, der Produzent, die Plattenfirma, der Freund und die Bekannte, sondern auch die Konkurrenz.
Stopp! Das ist Quatsch, die Konkurrenz kann das gar nicht meinen: Family*5 hat, wenn es um hochlevelige Musik geht, die gleichzeitig zum sofortigen Ver- und Gebrauch bestimmt ist, kaum ernst zu nehmende Mitbewerber. Denn „...Peter Heins Weigerung, sich die Welt schön zu labern, weil es trotz großmäuliger Ankündigung nun doch nicht geklappt hat mit der Rebellion und man aus der Nummer nun irgendwie und möglichst ungeschoren wieder raus muss, sind nicht der Stoff, aus dem junge Opportunisten sich ein prima Schöner-Wohnen-Leben designen können.“
Peter Hein alias Janie J. Jones und seine Family*5 lassen in keinem Moment des Albums Zweifel daran, dass sie uns auch im 35. Jahr ihrer Bandgeschichte nicht jenes Quantum an Selbstbetrug zugestehen, das zum Weiterwursteln in Richtung Untergang unverzichtbar ist.

Nur, Wiglaf Droste konnte 1991 in seiner „Kleinen Pathetique“ allenfalls ahnen, dass die Band 25 Jahre danach mit „Was zählt“ 13 neue Lieder raushauen würde, die nicht nur all jenes beinhalten, was Family*5 bisher auszeichnete – Kraft und Tempo des Punk, die Dynamik des Beat, souliges Stilgefühl, musikalische Vielfalt und exquisite deutsche Texte; vielmehr zeigt die Familie eine bislang uner- und gehörte Reife, die – und zwar jenseits jeglichen Rock'n'Rollator-Verdachts! – ihre Geschichte zu keinem Zeitpunkt verleugnet, gleichzeitig jedoch die eigenen Grenzen wie auch jene der durch Erwartungshaltungen erstarrten Rezeption sprengt.

Produzent Ekki Maas hat daran einen nicht unerheblichen Anteil: Er hat den Bandklang zielgerichtet entrümpelt und aufgeräumt, zeitgemäß und modern, aber niemals modisch.
Ein Vorteil war dabei auch, dass man aus 18 Songs das spannendste Dutzend auswählen konnte. Dazu kommt mit „Helden“ noch eine Coverversion des Bowie-Eno-Klassikers, die schnell als kongeniale deutschsprachige Ergänzung des Albums feststand.

Peter Hein schrieb, mit einer Ausnahme, sämtliche Texte, und zeigt sich hier auf dem Gipfel seines ohnehin singulären Schaffens, in welchem er nicht nur das Paradoxon EU („Herbst in Peking“) geißelt, sondern auch die nach wie vor bestehende Mauer in den Köpfen ihrer Befürworter („Draht“), die zynische Abspeisung des Präkariats („Die Lämmer“), oder die Bigotterie des Material- und Meinungs-Recyclings („Trennung“) ebenso wie die perfiden Hinhaltemechanismen, wenn es um gerechtfertigte gesellschaftliche Forderungen geht („WennWennWenn“). Aber auch der „romantische Politsong“, der – und das ist neu bei Peter Hein – Mut machen soll („Stolpere nicht“), fehlt genau so wenig wie das „politische Liebeslied“ („Mit der Zeit“) und die „poetische Publikumsbeschimpfung“ („Kalt“).

Man kann sich allerdings auch das ganze Geschwurbel sparen, und es in einem Satz zusammenfassen: Family*5 sind wieder da, mit einem Album, das klar macht, WAS ZÄHLT...

 

Was zählt

Produziert, aufgenommen und gemischt von Ekki Maas im Musikkollektiv Eigelstein, Köln, zwischen Ende Januar und Ende April 2016.

 

Family*5

Peter Hein – Vocal
Xaõ Seffcheque – Gitarre, Chor
Markus Türk – Trompete, Posaune, Chor, Gitarre
Martin Graeber – Saxofon, Bassklarinette
Ferdi Mackenthun – Bass
Simon Heinen – Schlagzeug