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Benjamin Dean Wilson

Booker: Carsten Friedrichs

"Small Talk" (release date: April 22nd, 2016)

 

Abends im Tapete-Büro, draußen ist es dunkel, bald Feierabend. Da, eine Email: Betreff: Demos. „My name is Ben Wilson. I wrote, played all the instruments, and recorded my new album on a 1/2 inch 8-track. Here is a link to some songs from the album. Thanks, Ben“.
Es ist keine Lüge, wir hören uns alle Demos an, so auch diese erfrischend prosaisch angepriesene Einsendung. Also angeklickt. Schon nach wenigen Takten sind die Lauscher gespitzt, das Tippen auf der Tastatur wird eingestellt. Eine Stimme, die an Nick Lowe erinnert, Songs und Texte, die an die Magnetic Fields erinnern. Nur anders herum: Wo Stephin Merrit die Kunst des 2-3-Minuten-Songs pflegt, sind Wilsons Songs länger ... erheblich länger. Das grandiose Finale „Rick, I Tick Tock ...“ dauert 14 Minuten. Erster Eindruck: Als hätten 1965 im Gaslight Café in Greenwich Village ein paar übercoole Bohemians unter Anleitung von Ray Davies und/oder Serge Gainsbourg (vgl. Anna/Bande Originale De La Comédie Musicale) das Abbey Road-Medley vorweggenommen. Wir hören genauer hin: Ein musikalisches Schauspiel in drei Akten inklusive gesungener Regieanweisungen. Jimmy (frisch geschieden) und Rick (unglücklich verheiratet) lernen im Zug eine junge Frau kennen, pfeifen auf die Arbeit und veranstalten ein Picknick à trois. Meanwhile: Ricks Sohn wird von einem Hund gebissen, seine suizidgefährdete Frau muss den Filius zum Arzt bringen. Ihre Laune ist entsprechend und verschlimmert sich, als sie zufällig an eben jenem Park vorbeikommt ... Interessant. Am Ende das Werk eines leidenschaftlichen Cineasten? Und wer ist Ben Wilson überhaupt? Nicht leicht zu googlen.
Inzwischen ist es Nacht im Tapete-Büro. Egal, für solche Musik arbeitet man bei einer Schallplattenfirma. Wahnsinnsplatte – und so stellten wir Ben ein paar Fragen.
Q: Wo wohnst du eigentlich?
Ben: In Tulsa/Oklahoma.
Q: Wer hat dich bei der Produktion von „Small Talk“ beeinflusst?
Ben: Es mag überraschend sein, aber ich mag klassische Musik. Ich habe ein Abo für die Symphonie und höre viel Schubert, Bach, Saint-Saens, Janacek etc. Aber auch Queen, Meatloaf, Dylan, Cohen. Letztes Jahr gefielen mir Shel Silversteins Arbeiten mit Dr. Hook ziemlich gut.Und Trey Parker und Matt Stones Kompositionen für ihre Fernseh- und Broadway-Shows.
Q: Aber vermutlich auch der ein oder andere Film?
Ben: Klar, die Filme von Rohmer, Fassbinder und Bergmann haben mein Schreiben beeinflusst. Und Tolstoy, Dostoevsky, Nabokov – und South Park sowie die Simpsons.
Q: Wo und wie hast Du „Small Talk“ aufgenommen?
Ben: Ich habe Zuhause ein Studio. Ein sehr kleines Studio, vollgestopft mit Instrumenten. Ich übertreibe nicht: das gemütlichste Studio in Oklahoma. Ich bin Mathematik-Student und schlafe meisten bis mittags (ich habe meine Kurse so
gelegt, dass die Uni frühestens um 17.00h losgeht). Die Aufnahmen habe ich dann meisten zwischen 12.00 und 16.00h gemacht. Eine gute Zeit, da ist weniger Verkehr vorm Haus, schön ruhig. Ich bin kein ausgebildeter Tontechniker. Ich war ein paar Jahre Filmvorführer, ich habe wohl eine Affinität zu analogen Maschinen.
Q: Was soll eigentlich aufs Cover?
Ben: Ein Bild von mir mit einem Schnurrbart.
Einer neuer Tag im Tapete-Building. Einmal mehr beglückwünschen wir uns zu der grandiosen Idee, wirklich jedes Demo anzuhören. Benjamin Dean Wilson wäre uns sonst eventuell entgangen. „Small Talk“ ist ein großartiges Album: Songs übers Altwerden (gesungen von einem jungen Mann), Songs über Illusionen und das Verlieren selbiger, über junge Mütter, über den Lehrer Mr. Green, über Rick, Jimmy und Sharon, über Nurse Hirsch und eine rote Corvette, über die misstrauische Schwiegermutter der lokalen Berühmtheit, einen namenlosen Schauspieler und seine Jugendliebe Sadie (sie trug einen Jungshaarschnitt, ziemlich kurz). Ein Album voller Wendungen und Überraschungen, voller Humor und Wahrheit. „But Sadie told me she would see me again / And said, „Be a good person till then!"